Mittwoch, 12. April 2017

Urlaub auf Island | Der Norden Teil I

Es lohnt sich immer wieder einen Abstecher von der Ringstraße zu wagen. Ich hatte eh die Absicht nach Siglufjörður zu fahren, und meine Reitbegleitung Andrea hat mich in diesem Vorhaben durchaus bestärkt. Auch soll ihrer Aussage nach die Aussicht entlang des Fjordes wunderschön sein. Diese konnten wir allerdings nur erahnen, denn kurz nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben zogen sich die Wolken richtig zu und es hat immer wieder geregnet. Insgeheim hatte ich mich selbst schon verflucht, angesichts des doch offensichtlich nicht gerade tollen Wetters auf diese Strecke bestanden zu haben. Aber es kommt ja nun bekanntlich häufig anders als man denkt und so lichtete sich kurz vor unserem Ziel urplötzlich der Himmel und lies Siglufjörður direkt vor unseren Augen im Sonnenlicht erstrahlen, als ob die dicken Regenwolken vorher überhaupt nicht existiert hätten. Dies ist sicherlich auch ein Grund, warum ich mich auf der Stelle in dieses kleine Städtchen verliebt habe.




Das man Siglufjörður mittlerweile problemlos mit dem Auto erreichen kann ist der neuen Straße und einem fast nicht enden wollenden Tunnel zu verdanken. Bevor dieser fertig gestellt wurde, konnte der Ort im Winter nur mit dem Schiff  angefahren werden. Für den Tourismus ist der neue Landweg sicherlich eine gute Sache, denn die frühere Haupteinnahmequelle durch den Heringfang ist schon lange versiegt. Hier musste man in der Tat sehr schmerzlich feststellen was Überfischung anrichten kann, als von einem Tag auf den anderen die Heringe verschwunden waren. Es tummeln sich zwar immer noch einige kleine Fischerboote im Hafen, doch bei diesem Wetter war vor und in den Cafés rund um den Hafen wesentlich mehr los. Auch wir haben hier einen kleinen Stopp eingelegt und nach der grauen Nebelwand, die uns während der gesamten Fahrt hierher begleitet hat, die auch hier im hohen Norden wärmenden Sonnenstrahlen genossen.



Nach der kleinen Stärkung ging es dann auch wieder auf die Piste Richtung Akureyri. Auf dem Weg dorthin haben uns die Wolken auch schnell wieder eingeholt und so fuhren wir wieder durch die Wolkendecke bis wir in Akureyri, beziehungsweise Svalbarðsströnd ankamen. Hier hatten wir zwei Nächte gebucht, denn von hier aus ist man relativ fix beim See Mývatn und diesem, sowie der ganzen Umgebung, sollte man durchaus etwas mehr Zeit widmen.

Bevor man von Akureyri zum Mývatn gelangt fährt man direkt an dem (meiner Meinung nach) wirklich schönsten Wasserfall Islands vorbei. Und er heißt sogar noch wie er aussieht: Goðafoss (Götterwasserfall).



Leider machte auch der See Mývatn seinem Namen alle Ehre: nur Sekunden nachdem wir das Auto verlassen haben wurden wir von unzähligen Kriebelmücken umschwirrt, dass uns gar nichts anderes übrig blieb, als wieder zurück ins Auto zu flüchten. Aber selbst mit Mücken vor der Kamera lässt sich nicht leugnen, dass der See wirklich toll aussieht.


Als großer "Game of Thrones"-Fan gehört es natürlich zum Pflichtprogramm der Höhle Grjótagjá einen Besuch abzustatten. Unsere Gastmutter hat uns erzählt, dass sie selbst auch schon in der Grotte gebadet hat, aber durch das letzte "Gegrummel" der Erdspalten ist das Wasser zu warm/heiß geworden und seitdem ist das Baden in der Grotte strengstens verboten. Ich vermute aber auch ohne Anstieg der Wassertemperaturen würde man den Badewütigen hier ein Verbot erteilen, denn seit dem doch deutlichen Anstieg der Anzahl der Touristen würde diese Grotte doch eher einer Sardinenbüchse gleichen.


Wer sich an dem leicht schwefeligen Geruch der Grotte stört, sollte sich gut überlegen, ob er bei dem nahegelegenen nächsten Naturwunder aus dem Wagen steigen möchte. Das Geothermalfeld Hverir stellt alles in den Schatten, was ich bisher geruchsmäßig erlebt habe! Der beißende und stinkende Schwefelgeruch war in der Tat nur schwer zu ertagen und ich hatte durchaus mit ein wenig Übelkeit zu kämpfen. Aber ganz nach dem Motto "Nase zu und durch!" bin ich tapfer einmal den Weg über das Thermalfeld abgelaufen. Und auch wenn der Gestank unerträglich war, der Anblick war es definitiv wert. Das kräftige Orange von den Schwefelablagerungen, die vielen Grauschattierungen, der Dampf und die blubbernde Erde sind schon faszinierend und einzigartig. Ich entschuldige mich daher jetzt schon für die nachfolgende Bilderflut, aber ich konnte mich einfach nicht nur für zwei Fotos entscheiden!








Auch wenn ich mich von diesem Anblick nur schwer trennen konnte, meine Geruchsnerven waren sehr erleichtert, als wir wieder im Auto saßen um den letzten Punkt auf unserer to-see-Liste abzuarbeiten. Auf uns wartete noch der mächtige Dettifoss. Ich war zu Beginn meiner Reiseplanung gar nicht sicher, ob wir diesen überhaupt zu Gesicht bekommen können. Den älteren Forumeinträgen konnte ich entnehmen, dass zwar links und rechts von Flussufer Straßen entlang führen, diese aber entweder eine F-Straße oder eine für PKW's zwar zugelassene, aber in einem sehr schlechten Zustand unbefestigte Straße sein soll. Laut meinem Reiseführer bestand jedoch die Planung, die F-Straße zu asphaltieren und somit auch für normale Autos befahrbar zu machen. Glücklicherweise wurde dieses zum Zeitpunkt unserer Reise bereits in die Tat umgesetzt, so dass wir ohne Probleme den Wasserfall erreichen konnten. Vom Parkplatz aus ist es noch ein kleiner Fußmarsch, aber dann wird man mit diesem Anblick belohnt:



Der Dettifoss besitzt bei weitem nicht die Schönheit des Goðafoss, aber durch die herunterstürzenden Wassermassen (193m³ pro Sekunde) ist er zumindest der mächtigste Wasserfall in Europa. Deutlicher wird dies, wenn man im Vergleich die Leute auf der anderen Seite des Ufers in Relation stellt.


Irgendwie ist dieser Post mal wieder viel zu lang und zu ausschweifend geworden. Daher hab ich mich dazu entschlossen von unseren Abstecher nach Húsavík und unserer Whale watching Tour erst im nächsten Post ausreichend zu berichten. Und ich werde zusehen, dass ich diesen auch wieder schneller veröffentlichen werde. Versprochen!