Samstag, 7. Januar 2017

Urlaub auf Island | Der Nordwesten


Unsere nächste Unterkunft lag direkt an dem Fjord Miðfjörður in dem kleinen Ort Hvammstangi. Und hier war Airbnb auch wieder das, was sie eigentlich sein sollte: Eine Unterkunft bei einem Einheimischen. Das dies auf Island nicht unbedingt selbstverständlich ist haben wir auf dieser Reise leider feststellen müssen. Von unseren 9 Gastgebern haben wir nur 4 zu Gesicht bekommen. Dabei macht doch eigentlich der persönliche Kontakt den Reiz von Airbnb aus. Hätte unser Gastgeber uns nicht darauf aufmerksam gemacht, hätte ich nämlich sicherlich nicht die Wale bemerkt, die sich im Fjörd tummelten und deren Blast man sogar von unserem Zimmer aus sehen konnte.




Da wir keine großartigen Vorräte mehr am Start hatten, beschlossen wir am Abend essen zu gehen. Der Ort Hvammstangi ist nicht gerade riesig, aber an dem kleinen Hafen findet sich ein sehr gutes Restaurant und auch ein kleines Café. Das Restaurant hat eine Terasse direkt am Fjord. Da die Sonne schien haben wir uns gegen einen Platz im gut geheizten Restaurant entschieden und unter den ungläubigen Augen der Kellnerin draußen Platz genommen. Die Terasse war leider nicht windgeschützt aber direkt in der Sonne lies es sich trotzdem noch gut aushalten. Außerdem sind wir der festen Überzeugung, dass draußen alles besser schmeckt. Die Preise waren hier allerdings auch wieder knackig: für 4 Biere, eine Vorspeise, einen Burger und eine gebackene Süßkartoffel haben wir umgerechnet etwa 90€ auf den Tisch gelegt. Aber nun gut, dass dies kein Low-Budget Urlaub wurde, wussten wir schließlich vorher. Und das Esser war wirklich lecker!




Wie übrigens auch in den USA üblich bekommt man hier automatisch und völlig kostenlos Wasser serviert. Ich finde das ganz großartig und würde diesen Service auch in Deutschland sehr begrüßen. Aber solange es bei uns sogar Restaurants gibt, bei denen man fürs Leitungswasser(!) bezahlen muss, wird das wohl nichts.

Am nächsten Tag wartete dann mein ganz persönliches Highlight auf mich: Ich hatte etwa 2 Wochen vor Urlaubsantritt mit dem Reithof Icelandhorsetours Kontakt aufgenommen und einen Termin für einen zweistündigen Ausritt vereinbart. Ich war bei meiner Anfrage skeptisch, ob das so kurzfristig überhaupt noch möglich ist, aber dies stellte sich schnell als völlig unkompliziert raus. Ich konnte die Uhrzeit, Dauer des Ausritts und die Route (Strand oder Gelände) frei bestimmen. Ich bin noch nie am Stand geritten und dies wäre sicherlich ganz großartig gewesen, aber ich habe mich doch fürs Gelände entschieden, da ich mir hier einen traumhaften Ausblick auf die Landschaft erhoffte. Leider hat mir das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht, denn als wir am Morgen aufbrachen war es ziemlich diesig und leicht regnerisch mit sehr tief hängenden Wolken. Urplötzlich brach zwischendurch zwar mal die Sonne heraus um dann allerdings auch genauso plötzlich wieder zu verschwinden. Für meinen Ausritt hatte ich mir natürlich besseres Wetter gewünscht, aber da  es nicht wie aus Kübeln gegossen hat, war ich immer noch guter Dinge.





Um pünktlich zu meiner Verabredung zu erscheinen sind wir zeitig losgefahren um dann doch festzustellen, dass wir gut im Zeitplan lagen. Daher konnten wir auch ganz spontan einen kleinen Zwischenstopp in dem zum Museum umfunktionierten Torfgehöft Glaumbær einlegen.




Völlig untypisch für mich waren wir dann eine halbe Stunde zu früh auf dem Pferdehof. Mein eigentlich vorgesehener Guide war noch mit einer Familie unterwegs, und somit war meine heutige Begleitung Andrea. Nach einer kurzen Abklärung meiner Reitkenntnisse, habe ich den kleinen Schecken namens Máni (was übersetzt "Mond" bedeutet) zugeteilt bekommen, und dann ging es auch schon los. 



Meine bisherigen Ausritte in der Umgebung von Groß Mackenstedt waren immer sehr schön, aber das hier war einfach der Hammer! Unebenes Gelände, Klippen, sehr steile Hänge und ein Canyon warteten in den nächsten zwei Stunden auf mich. Andrea war auch sehr dankbar, dass ich mich für den Geländeausritt entschieden hatte, denn auch wenn sie schön einige Monate hier auf dem Hof arbeitet, gibt es immer noch Wege, die sie selbst noch nicht kennt und die wir heute mal ausprobieren konnten. Ihr bekannt war jedoch der "Ziegenberg" der für nicht ganz Schwindelfreie eine echte Herausforderung ist. Der Hang ist mega steil und die Islandpferde können hier eindrucksvoll unter Beweis stellen, wie trittsicher sie doch sind. Zum Abschluss gab es dann noch eine Galopprunde über das sehr unebene Gelände, und man sollte durchaus Erfahrungen mitbringen schon mal auf einem schreckhaften Pferd gesessen zu haben. Auf diesem Boden ist es ganz normal, dass das  Pferd mal einen Satz zur Seite macht. Insgesamt muss ich sagen, dass dies mit Abstand der abgefahrenste Ausritt war, denn ich bisher gemacht habe. Und ich habe Andrea aufrichtig dafür beneidet, dass das quasi ihr Alltag ist. Also wenn es einen von euch mal nach Island verschlägt: scheut euch nicht davor einen Reitausflug zu machen! Es lohnt sich definitiv!