Samstag, 31. Dezember 2016

Urlaub auf Island | Die Halbinsel Snæfellsness


Die nördlich von Reykjavik gelegene Halbinsel Snæfellsness wird häufig als "Kleinisland" bezeichnet, da man auf diesem Flecken Erde eindrucksvoll vermittelt bekommt, wie es im übrigen Island aussieht. Ich empfand es daher als äußerst praktisch, dass die Halbinsel von Reykjavik aus super schnell zu erreichen ist und quasi unser Appetizer auf das ist, was die nächsten 10 Tage auf uns zukommen würde. Bevor es aber auf die Piste ging waren wir erst mal frühstücken. Auf Island trifft man immer wieder auf die mit bunten Mosaiksteinen verzierten Cafés namens "Kaffitár" (quasi die isländische Variante von Starbucks oder Tim Hortens). Für zwei Kaffee und zwei kleine Frühstückssnacks legten wir über 20€ auf den Tisch (ich denke ich habe bereits erwähnt, dass auf Island alles teuer ist, oder?) und dann ging es auch schon wieder auf die Ringstraße Richtung Norden.


Unsere nächste Unterkunft befand sich im Norden der Insel. Ich hatte über Airbnb eine Unterkunft gebucht, die zum Buchungszeitraum noch gar nicht fertiggestellt war. Da der Anbieter aber bereits zwei Cottages als Unterkünfte  betrieben hat und diese durchgehend super bewertet wurden, war ich sehr optimistisch, dass wir ganz bestimmt nicht unter dem freien aber doch recht kühlen isländischen Himmel schlafen mussten.


Es gibt zwei Möglichkeiten mit dem Auto nach Snæfellsness zu gelangen: entweder den längeren Weg von der 1 über die 50/53 zurück zur 1, oder den kürzen aber Maut pflichtigen Weg durch den Tunnel Richtung Borganes. Wir haben uns aus zeitlichen Gründen für den Tunnel entschieden und sind hinter Borganes von der 1 auf die 54 abgebogen. Die Fahrt auf die Halbinsel ist in der Tat ganz fantastisch: grüne Wiesen vor steinigen Vulkanhügeln und im Hintergrund hat man den perfekten Blick auf den Gletscher des Snæfellsjökull. Die Sonne war an diesem Tag unser ständiger Begleiter was bei uns zusätzlich gute Laune auslöste. Wir hatten uns keine festen Ausflugsziele gesetzt und haben einfach den Anblick der Landschaft vor uns genossen. So war der von uns eingelegte Zwischenstopp bei der Rauðfeldar-Schlucht auch ein reiner aber wirklich schöner Zufall. Die Schlucht kann auf eigene Gefahr betreten werden, allerdings führt durch sie ein kleiner Wasserlauf, der den Boden entsprechend nass und rutschig macht. Je tiefer man in die Schlucht gelangt, desto schmaler wird sie natürlich auch. Aufgrund des Wasserlaufs sind wir allerdings nicht allzu weit in die Schlucht gelaufen, denn wir waren keinesfalls scharf darauf uns bereits am ersten Tag die Haxen zu brechen. 





Nach einer kurzen Kaffeepause in Arnarstapi ging es um den Gletscher herum zum Saxhóll crater. Den Krater kann man ganz bequem über eine Treppe erreichen. Von dort aus hat man einen tollen Blick auf den Gletscher auf der einen, und den Atlantik auf der anderen Seite. Oder anders gesagt: man "könnte" einen tollen Blick auf den Gletscher haben, wenn die tiefen Wolken nicht gewesen wären.


 


Bevor es dann endgültig zu unserer Unterkunft ging wartete noch der wahrscheinlich meistfotografierte Berg Islands auf uns - der Kirkjufell, was übersetzt soviel wie Kirchenberg heißt. Der Weg dorthin führte direkt an der Küste entlang. Hier waren die wenigen Wolken auch wieder verschwunden und es bot sich wieder ein unglaublich schöner Blick auf den hier doch allgegenwärtigen Gletscher.




Direkt vor dem Kirchenberg verläuft auch ein kleiner Fluß mit einem friedlich vor sich hinplätschernden Wasserfall. Ich hätte mich hier ohne Probleme ist Gras setzten und diesen Anblick stundenlang genießen können, aber ich war andererseits auch schon so gespannt auf unser kleines Cottage, dass wir nach einer ausgiebigen Fotosession dann doch weitergefahren sind. Unsere Unterkunft zu finden war dank der guten Wegbeschreibung zum Glück kein Problem, obwohl sich diese tatsächlich mittendrin im Nirgendwo befand. Von der asphaltierten Straße ging es weiter über eine doch etwas holprige Piste, die uns dann auch den Rest der Halbinselumfahrung begleiten sollte. Außer den drei Cottages, von denen nur noch eine weitere noch bewohnt war, umgab uns hier nur Gegend, Blaubeer- und schwarzen Krähenbeerensträucher sowie vereinzelnden, vor sich hingrasende Schafe. Die Einrichtung im Cottage war wirklich vom Feinsten und es war daher auch fast ein wenig schade, dass wir hier nur eine Nacht gebucht hatten. Für unser Abendessen hatten wir bereits Nudeln und Pesto eingekauft, die wir  abends auf unserer kleinen Veranda genossen haben. Je mehr die Sonne dann aber verschwindet macht es sich doch bemerkbar, dass wir hier auf Island sind, denn wenn die Sonnenkraft nachlässt wird es auch gleich merklich kühler. Ganz verlassen hat uns die Sonne jedoch nicht, denn auch gegen 1:00h nachts war immer noch ein heller Streifen am Horizont zu sehen. Ich kann mir daher nur zu gut vorstellen, wie verwirrend es sein muss, wenn es im Hochsommer tatsächlich überhaupt nicht dunkel wird.








Mit frisch gepflückten Blaubeeren zum Frühstück hieß es dann am nächsten Morgen leider schon Abschied nehmen. Zur Verabschiedung ließen sich auch unsere vierbeinigen Nachbarn blicken. Ich finde ja Schafe total niedlich. Diese Wollknäule waren unglaublich neugierig, aber trotzdem ziemlich scheu. Man merkt schon, dass sie den kompletten Sommer ganz auf sich allein gestellt über die Insel laufen und keinen täglichen Kontakt zu Menschen haben. Für den Winter werden sie dann jedoch zum großen Schafabtrieb wieder von ihren Besitzern eingefangen. Wer zu dieser Zeit auf Island verweilt und sattelfest ist, ist beim Schafabtrieb gern gesehen, denn hier ist man für jede helfende Hand sehr dankbar.

Im Norden von Snæfellsness liegt die Stadt Stykkishólmur. Mit etwas über 1.000 Einwohner durchaus schon für isländische Verhältnisse als Stadt zu bezeichnen, lebt diese in erster Linie vom Fischfang und Tourismus. Vogelliebhaber können mit dem Boot zu den vorgelagerten Schäreninseln fahren und hier Wasservögel beobachten. Man kann aber auch wie wir einfach nur bis zum Leuchtturm laufen und von dort die wunderschöne Aussicht genießen.





Weiter ging es über die einsamen und ziemlich buckeligen Straßen 54 und 60. Das uns hier kaum jemand begegnete war durchaus gut, denn das verringerte die Gefahr eines möglichen Steinschlages doch um einiges. Auch wenn wir uns bei der Autovermietung dagegen versichert hatten, kann ich auf auf solche Erfahrungen liebend gerne verzichten. Ich hatte auch im Vorfeld immer wieder von häufigen Reifenpannen gehört, die einen auf Island jederzeit treffen können. Angesichts des geringen Verkehrs und der von Rollsplit gespickten Straße bin ich im Nachhinein sehr dankbar, dass uns dies erspart geblieben ist. Auch die Schafe haben sich an die geltenden Verkehrsregeln gehalten und sind uns nicht einfach unangekündigt vors Auto gesprungen.



Das Milchprodukt auf Island schlechthin ist Skyr. Sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz würde ich ihn eher mit Quark als mit Joghurt vergleichen. Auf der Straße 60 sind wir an einem Milchhof vorbeigekommen, auf dem man Skyr aber auch Eis aus eigener Produktion kaufen konnte. Auch ohne isländische Sprachkenntnisse konnten wir diese beiden Sorten einwandfrei als Pistazie und Rhabarber identifizieren. Ein Hoch auf die gemeinsame germanische Sprachgeschichte.



Unsere Tagesetappe betrug nur 200 km, aber da wir ausgiebige Zwischenstopps eingelegt haben, mussten wir uns zum Ende der Etappe tatsächlich ein wenig beeilen, dass wir nicht zu spät bei unserer Unterkunft ankamen. Und diese hatte durchaus eine nette Überraschung zu bieten, mit der ich bei der Buchung gar nicht gerechnet hatte. Aber davon mehr im nächsten Bericht.