Sonntag, 6. November 2016

Kurztripp | Ein verlängertes Wochenende auf Rügen


Wir waren dieses Jahr nicht nur auf Island, sondern auch in unserem eigenen Heimatland unterwegs. Ich fürchte, es ist so langsam dem zunehmenden Alter geschuldet, dass man nicht mehr den ständigen Drang verspürt für das große Abenteuer ans andere Ende der Welt fahren zu müssen, sondern dass auch das eigene Land zu entdecken sehr reizvoll sein kann. Und ich bin inzwischen immer wieder angenehm überrascht, welche landschaftlichen Schätze Deutschland zu bieten hat.

Im Oktober waren wir mit einer lieben und urlaubsreifen Freundin für ein verlängertes Wochenende an der Ostsee, genauer gesagt auf Rügen. Inseln sind ja grundsätzlich immer eine gute Idee und das man Rügen wunderbar über eine Brücke erreichen kann und nicht mit einer Fähre fahren muss, kam durchaus erleichternd dazu. Wir haben auch etwas gemacht, dass für mich quasi undenkbar ist: wir sind ohne Reiseführer gestartet. Denn das Wochenende sollte nicht ein Abklappern sämtlicher Touristenattraktionen werden, sondern in erster Linie der Erholung dienen. Wenn man etwas mit Rügen verbindet, dann sind es sicherlich die Kreidefelsen und so haben wir uns für den Ort Sassnitz entschieden, der direkt neben dem Nationalpark Jasmund liegt. Wir haben dort eine ganz ausgezeichnete Unterkunft gebucht, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Das Apartment ist sehr großzügig geschnitten, verfügt über zwei Schlafzimmer, eine kleine aber feine Küche, ein modernes Badezimmer und die Ostsee liegt quasi direkt vor der Haustür. Während unseres Aufenthaltes haben wir den Herbst inklusive rauhem Ostwind in voller Pracht genießen können. Und auch wenn dieser ganz schön kalt ist, mag ich mittlerweile solch ein Wetter doch sehr gerne. Da wir hier für Oktober ja schließlich eh keinen Badeurlaub erwartet haben, finde ich stürmische Wellen durchaus ansehlich!



Die Wellen sollen dieses Jahr aber auch extrem wuchtig gewesen sein, wie uns unsere Gastgeberin erzählte. Im Nachbarort Binz sind sogar einige der Strandkörbe ins Meer gespült worden. Das hatte man hier auf Rügen bisher so auch noch nicht erlebt.

Die Auswirkungen des starken Windes haben wir auch bei unserer Wanderung durch den Jasmund-Nationalpark zu spüren bekommen. Im Wald selbst war es relativ windstill, aber sobald man sich der Küste nährte wurde es merklich stürmischer und ich musste meine Kamera schon sehr gut festhalten, damit sie mir die aus der Hand gepustet wird. Die Zugänge zum Stand waren sicherheitsbedingt auch gesperrt, aber mit Blick auf die Bäume, die sich teilweise schon bedenklich dem Abgrund entgegen neigen, konnte man diese Maßnahme durchaus verstehen.




Da wir aber ja nun in Sassnitz waren, konnte man von dort aus am Stand entlanglaufen und einen Blick auf die Kreidefelsen erhaschen. Ein Einheimischer gab uns den Tipp, dass man den schönste Ausblick auf die Felsen allerdings vom Schiff aus hätte. Angesichts des doch relativ stürmischen Wetters, haben wir diese Möglichkeit gar nicht erst in Erwägung gezogen. Wenn kümmert schon die schönste Aussicht, wenn man seekrank ist? Da bleibt man doch lieber an Land!




Neben ausgedehnten Spaziergängen, gutes Essen und dem ein oder anderem geselligen Bier, haben wir aber auch ein wenig die größte Insel Deutschlands erkundigt. Den skurrilsten Ort haben wir dabei sicherlich mit dem Ort Prora gefunden. Von den Nazis vor Ausbruch des 2. Weltkrieges als Urlaubsort für ca. 20.000 Menschen gedacht, hab ich mich ernsthaft gefragt "was haben die eigentlich für Drogen genommen?"! Ein gruseliger, riesiger Bauklotz der von der Organisation "Kraft durch Freude" geplant war, aber baulich nie vollendet wurde. "Gruselig" ,"Trist" und "Furchteinflößend" waren die ersten Wörter, die mir beim Anblick durch den Kopf schossen. Anhand dieser Bilder auch nicht verwunderlich, oder?



Das Gebäude wurde zwischenzeitlich von der NVA und nach der Wiedervereinigung von der Bundeswehr genutzt. Es steht größtenteils unter Denkmalschutz und beherbergt heute einen Museumskomplex sowie eine Jugendherberge. Teile des Gebäudes wurden verkauft und es sollen tatsächlich Planungen für den Umbau in alterstgerechte Wohnungen und einem Hotelkomplex geben. Denn eins muss man diesem seltsamen Bau ja lassen: die Lage zum Strand ist wirklich schön, denn diesen erreicht man über einen sehr kurzen Weg durch den anliegenden Kiefernwald, der einem zusätzlich vom Strand aus auch noch die Sicht auf diesen fürchterlichen Bau nimmt.




In Binz kann man aber nicht nur seltsame Gebäudekomplexe "bestaunen", sondern auch auf Augenhöhe durch die Baumwipfel spazieren. Dies ist möglich im "Naturerbe-Zentrum Rügen". Vom höchsten Aussichtpunkt "Adlerhorst" hat man einen wundervollen Blick über weite Strecken der Insel.






Ein weiterer Hingucker auf Rügen ist definitiv die Seebrücke in Sellin. Wer möchte kann auch mit der am Ende der Brücke gelegenen Tauchgondel einen trockenen Blick unter Wasser werfen. Aber auch über Wasser und bei kräftigen Wind lohnt der Gang über die Brücke. Zum Abschluss haben wir uns noch leckeren Kuchen in dem Restaurant gegönnt. Sehr lecker und ein schöner Abschluss für unseren Inseltag.



Als Fazit muss man schon sagen, dass die Insel durchaus auch einen längeren Aufenthalt verdient hätte, denn es gibt hier noch unglaublich viel zu sehen und zu entdecken. Auch unser Urlaubsort Sassnitz hat mir mit der schnuckeligen Altstadt sehr gut gefallen. Und auch wenn wir ja eher weniger zweimal die selbe Ecke bereisen, würde ich bei einem nächsten Besuch auf Rügen definitiv wieder nach Sassnitz fahren.






Das Haus auf dem letzen Bild stand übrigens zum Verkauf, und trotz der offensichtlichen Renovierungsbedürftigkeit fand ich es unglaublich schön. Aber leider fehlt mir hierfür das nötige Kleingeld! Mir wird also nichts anderes übrig bleiben als doch wieder eine der herkömmlichen Unterkünfte zu buchen.

Samstag, 5. November 2016

Urlaub auf Island | Golden Circle

Wir sind morgens zeitig aufgestanden und haben uns pünktlich auf den Weg zur Autovermietung gemacht. Den Wagen haben wir erst vier Wochen vor unserem Abflug gebucht da wie sehr lange überlegt haben, welches Auto es denn nun sein soll, welche Versicherungen wir wohl zusätzlich brauchen und über welchen Veranstalter wir buchen sollten. Im Nachhinein muss man fast sagen, dass wir echt noch Glück gehabt haben einen Wagen zu bekommen denn als wir bei der Autovermietung saßen und darauf warteten, dass unser Auto startklar war, wurden andere Kunden abgewimmelt, die sich spontan entschlossen hatten heute ebenfalls ein Auto zu mieten. Alles war ausgebucht!


Unser heutiges Ziel war der "Goldene Kreis", oder auch "Golden Circle" wie er von den meisten Touristen genannt wird (zur Ergänzung: der Isländer bezeichnet ihn als "Gullni hringurinn"). Wie auch immer man dieses Gebiet nennen möchte, es befindet sich zumindest vor der Haustür Reykjaviks und ist damit ein ideales Ausflugziel für eine Tagestour. Wir sind über die Ringstraße erst Richtung Norden und dann über die 36 in den Park gefahren. Als erstes trifft man von hier aus auf den See Þingvallavatn. Auf dem Hinweg haben wir ihn uns nur aus der Entfernung angesehen und man bekommt schon einen ganz guten Eindruck darüber, wie groß dieser See ist. Auf dem Rückweg haben wir die Hauptstraße verlassen und sind über die 361 näher am See entlanggefahren und haben hier auch noch eine kleine Pause eingelegt. Wir waren ganz alleine und außer dem leichten Geplätscher des Wasser und dem Gezwitscher der Vögel war nichts weiter zu hören. Da kann man sehr schnell vergessen, dass diese Gegend ein absolutes Touristenmagnet ist und zu den meistbesuchten Attraktionen in Island gehört.





An der nordwestlichen Seite befindet sich der Þingvellir-Nationalpark. Dieser Ort hat nicht nur geschichtlich eine bedeutende Rolle gespielt, sondern ist auch aus geologischer Sicht sehr spannend, denn an dieser Stelle stoßen die amerikanische und die eurasischen Kontinentalplatten aneinander (wobei sie aktuell eher weniger zusammenstoßen als vielmehr von einander wegdriften). Taucher können in der Sifla-Spalte derzeit noch beide Kontinente berühren, aber bald soll dies wohl nicht mehr möglich sein. Ich kann leider nicht tauchen, aber in der Silfa-Spalte werden auch Schnorchel-Ausflüge angeboten. Ich hatte vorher überlegt, ob ich den Mut aufbringe in diesem eiskalten Wasser rumzuschwimmen und dafür auch noch einen stolzen Preis von ungefähr 140,00€ zahlen möchte. Ich habe mich letztendlich dagegen entschieden und war mit dieser Entscheidung sehr glücklich: umfasste die Tauchergruppe etwa 4 Taucher und einen Guide, so waren die zwei Schnorchelgruppen mit zusammen 30-40 Personen doch deutlich größer. Darauf hätte ich wirklich keine Lust gehabt.



Historisch gesehen ist dieser Park nicht weniger bedeutsam. Seit 930 wurden hier einmal jährlich für zwei Wochen Volksversammlungen auf Island abgehalten. Hierbei handelt es sich um eine der ältesten Parlamente der Welt.





Mein Highlight war der nächste Stopp auf unserer Tagestour: das Thermalgebiet Haukadalur mit seinen Geysiren. Der Schwefelgeruch ist hier deutlich intensiver als unter der mogendlichen warmen Dusche, aber immer noch gut auszuhalten. Überall sieht man kochende Wasserlöcher und etwas weiter im Hintergrund bricht ganz zuverlässig alle 10 Minuten der Geysir Strokkur aus. So hautnah mitzuerleben, wie es unter der Erdoberfläche brodelt ist schon faszinierend. Auch wenn man irgendwann mal im Erdkundeunterricht gelernt hat, dass unter den Erdschichten ordentlich was los ist, so ist es doch was ganz anderes dieses auch mal hautnah zu erleben..






Und da man manche Dinge besser in bewegten Bildern erkennen kann, gibt es hier noch  mal ein kurzes Handyvideo:


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Als letzter Punkt stand der Wasserfall Gullfoss (wortwörtlich "Goldener Wasserfall) auf dem Programm. Das dieser Wasserfall in seiner ursprünglichen Form noch besteht ist einem jahrelangen Rechtsstreit und der Androhung eines Freitodes zu verdanken, denn englische Investoren hatte den Wasserfall gepachtet und wollten den Plan umsetzen einen Staudamm für die Gewinnung von Elektrizität zu bauen. Jahre später wurde ein weiterer Plan zur Stromgewinnung abgelehnt und der Wasserfall wiederum zwei Jahre später unter Naturschutz gestellt.  Wenn man mich fragt, die absolut richtige Entscheidung, denn der Wasserfall ist wirklich sehenswert.





Als wir abends wieder zu Hause waren gab es noch schnell eine Tütensuppe und dann wurde auch schon gepackt, denn am nächsten Morgen hieß es schon Abschied nehmen von Reykjavik. Der Golden Circle hatte uns schon mal nicht enttäuscht und ich war schon sehr gespannt, was Island noch so zu bieten hat.