Montag, 25. Mai 2015

Tagesausflug | Norderney


Von den Ostfriesischen Inseln kenne ich Norderney am besten. Die Eltern meiner Schulfreundin haben hier eine Ferienwohnung und ich habe daher mit meiner Freundin hier einige Male Urlaub gemacht. Das erste Mal war ich hier lediglich für ein Wochenende. Es war Ende Februar, eisig kalt, am Strand lagen riesige Eisschollen und in den Straßen waberte der Nebel. Und es war toll! Die Luft war so rein, dass ich das es mir vorkam, als könnte ich bis zu den Zehenspitzen durchatmen. Ein tolles Gefühl!


Mit dem Auto ging es früh morgens von Bremen Richtung Norddeich. Die Fahrt dauert etwa 2 Stunden, wenn kein Stau dazwischen kommt. Von dort aus geht es dann weiter mit der Fähre Richtung Norderney. Die Überfahrt hat bei uns 50 Minuten gedauert und wir hatten das Glück, dass dieser Weg direkt an den Sandbänken mit seinen knuffigen Bewohnern vorbei führte:


Leider hatten wir auf unserem Tagesausflug nicht so schönes Wetter wie letztes Jahr auf Langeoog. Da es ziemlich windig war, haben wir auf das Leihen von Fahrrädern verzichtet und sind zu Fuß auf der Insel rumgelaufen. Norderney hat von allen ostfriesischen Inseln die meisten Einwohner und dadurch auch die größte Stadt. Das spiegelt sich leider auch darin wieder, dass es auf der Insel den ein oder anderen größeren Hotelkomplex gibt, der leider doch ein wenig an die Hotelhochburgen auf Mallorca erinnert. Aber es gibt zum Glück auch Ecken, an denen nichts davon zu sehen ist.




Wir sind bei unserem Aufenthalt die Strandpromenade entlang gelaufen und haben an der Milchbar einen kurzen Zwischenstopp eingelegt um etwas zu trinken und den Blick übers Meer schweifen zu lassen.


Von hier aus ging es dann weiter Richtung Fußgängerzone. Auf Norderney gibt es eine ganz fantastische Waffelbäckerei, und es gehört selbstverständlich zum Pflichtprogramm hier vorbei zu schauen und eine der köstlichen Waffeln zu probieren. Wir mussten ein wenig suchen, aber wir haben sie zum Glück gefunden und ich habe mir wie bei den letzten malen auch eine Waffel mit Blaubeeren gegönnt.




Anschließend sind wir noch ein wenig durch die Stadt gelaufen, vorbei am Wasserturm und am Kap bis wir am Nordstrand ankamen. Leider ist dann das passiert, was ich befürchtet hatte: es fing an zu regnen! Wir haben daher im "Cornelius" Unterschlupf gesucht und gewartet, bis der Regenguss vorbei war.









Es dauerte zum Glück nicht allzu lange bis die Wolkendecke wieder aufbrach. Da es aber doch ein wenig ungemütlich wurde, haben wir uns dazu entschieden eine Fähre früher als geplant nach Hause zu nehmen. Es war wirklich schade, dass das Wetter nicht so richtig mitgespielt hat, denn ein Ausflug zur weißen Düne oder auch zum Leuchtturm wäre sicherlich schön gewesen. Vielleicht klappt es ja bei unserem nächsten Besuch.



Rezept | Lauchpuffer

Ich bin mittlerweile stolze Besitzerin von drei Yotam Ottolenghi-Kochbüchern. Wer noch nie von ihm gehört hat, dem kann ich nur empfehlen dieses dringend nachzuholen. Yotam Ottolenghi liebt Zutaten, und so haben viele Rezepte eine gerade zu endlose Zutatenliste. Das macht das Nachkochen nicht unbedingt einfach, aber ganz ehrlich: alles was wir bisher aus den Büchern gekocht hat war so unglaublich lecker, dass sich der Aufwand auf jeden Fall lohnt! Dieses Rezept stammt aus dem Buch "Genussvoll vegetarisch".


Diese Lauchpuffer hat mein Freund gezaubert und er war währenddessen sehr skeptisch, ob das Ergebnis auch was wird. Aber nach dem ersten Bissen rutschte ihm ein "Alter Schwede, ist das lecker!" raus, und dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen!

Zutaten:
3 Stangen Lauch (insgesamt 500 g)
5 Schalotten
150 g Olivenöl
1 rote Chilischote
25 g Petersilie
3/4 TL gemahlener Koriander
1 TL Kreuzkümmel
2 Prisen Kurkuma
2 Prisen gemahlener Zimt
1 TL Zucker
1/2 TL Salz
1 Eiweiß
120 g Mehl
1 leicht gehäufter EL Backpulver
1 Ei
150 ml Milch
50 g geschmolzene Butter

Lauch in 2 cm dicke Ringe schneiden. Schalotten klein würfeln und beides zusammen etwa 15 Minuten bei mittlerer Temperatur in der Hälfte des Öls braten, bis beides weich ist. In eine große Schüssel umfüllen und die in Streifen geschnittene Chilischote (ohne Kerne), die Petersilie, die Gewürze, den Zucker und das Salz unterziehen und abkühlen lassen.

Das Eiweiß zu Eischnee schlagen und vorsichtig unter das Gemüse heben. In einer zweiten Schüssel das Mehl mit dem Backpulver, dem Ei, der Milch und der Butter zu einem Teig verrühren und behutsam unter die Gemüse-Eiweiß-Masse ziehen.

2 EL vom restlichen Öl in eine größe Bratpfanne geben und bei mittlerer Temperatur erhitzen. Aus etwa der Hälfte der Masse 4 große Puffer in der Pfanne ausbacken. Die Puffer etwa 2-3 Minuten pro Seite braten, bis sie goldbraun und knusprig sind. Zum Abtropfen auf Küchenpapierlegen und warm halten bis alle Puffer fertig gebacken sind. Lauchpuffer zusammen mit Kräuterquark servieren.


Mittwoch, 13. Mai 2015

Unterwegs in Bremen | Kein Spaß ist auch keine Lösung


Wenn ich gefragt werde, wo ich wohne, sage ich meistens im Viertel, obwohl das streng gesehen gar nicht stimmt. Ich kann das Viertel zwar von meinem Balkon aus fast sehen, aber eben auch nur fast. Trotzdem fühle ich mich als Viertelbewohner, alleine schon weil ich nach ein paar Schritten aus meiner Haustür genau dort bin. Dort, wo sich Kneipen aneinander reihen, wo es laut ist, wo es dreckig ist, wo sich die Betreiber der Läden erst vor einigen Wochen an die Öffentlichkeit gewendet haben um auf die Problematik der versuchten Schutzgelderpressung hinzuweisen, wo man von Obdachlosen vor der Sparkasse oder dem Rewe um Geld angebettelt wird. Aber auch wo ich mir schnell was zu essen holen kann, wenn die Lust aufs Kochen sich einfach mal einen Tag frei nimmt, wo wir einkaufen gehen, wo wir uns mit Freunden auf ein Bier treffen oder uns auch nur ganz zufällig über den Weg laufen, wo wir bei schönem Wetter einfach am Osterdeich sitzen und in der Abenddämmerung die Fledermäuse dort beobachten, wo ich ins Kino oder auf Konzerte gehe. 


Auch als ich noch nicht hier gewohnt habe, war ich gerade in meiner großen "Partyphase" viel im Viertel unterwegs. Meist trafen wir uns vorab im "Eisen", gingen anschließend ins "Römer" bis wir dort mit "Suspicious Minds" rausgefegt wurde und trafen uns anschließend auf ein letztes Bier im "Heartbreak Hotel". Ich habe im "Eisen" die "Eisentaufe" mitgemacht (und hätte anschließen am liebsten literweise Milch getrunken - was für ein Teufelszeug!), in der Happy Hour Cocktails getrunken und so manches letzte Bier am nächsten Morgen bitter bereut. Aber was solls? Am nächsten Wochenende waren die Kopfschmerzen wieder vergessen und ich freute mich auf den Freitagabend im "Eisen". 


Das war eine tolle Zeit und ich bin daher doch ein wenig besorgt über die letzten Entwicklungen, die sich hier im Viertel ereignet haben. Als mein Freund und ich uns entschieden haben zusammen zu ziehen, war es klar, dass wir ins Viertel ziehen werden. Ein anderer Stadtteil kam gar nicht in Frage (die 100 Meter die uns nun vom Viertel trennen kann man wirklich nicht ernst nehmen). Wenn man wie ich tagsüber arbeitet und nachts schlafen möchte ist es auch absolut klar, dass ich weder über das "Römer", noch direkt ans Eck ziehen wollte. Man kennt ja schließlich den Lärmpegel dort. Aber trotzdem könnte dort bald Schluss mit lustig sein, denn in letzter Zeit wird vermehrt gegen Kneipen und Clubs geklagt und sich beim Stadtamt beschwert. Da geht es um Lärmbelästigung, zu viele Konzerte und sogar um zu bunte Sitzbänke. Natürlich hat jeder Mensch ein Recht auf Schlaf und ob es wirklich notwendig ist bereits von Donnerstag auf Freitag die Nacht zum Tage zu machen sei mal dahin gestellt. Des einen Freud muss ja nicht des anderen Leid sein. (Wie sehr man unter bunten Sitzbänken leiden kann, würde mich dann aber doch interessieren.) Das Viertel ist allerdings nicht erst seit gestern ein Vergnügungsviertel und jeder, der sich dazu entschlossen hat in dieses Viertel zu ziehen weiß das doch, oder etwa nicht? In der Stadt wird man nie die Ruhe finden wie auf dem Land und im Viertel ist es bekanntlich auch nicht so ruhig wie in Findorff oder Schwachhausen.


Es sind aber ja nicht nur die Klagen und Beschwerden, die mir bitter aufstoßen. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft das Gemotze und Gemecker deutlich zugenommen hat.  Einfach weil es Spaß macht. Und außerdem geht es ums Prinzip! Und früher war sowieso alles besser! Und überhaupt! Unsere Wohlstandsgesellschaft entwickelt sich immer mehr zu einer Miesmachergesellschaft. Uns geht es offensichtlich zu gut, dass wir uns über alles und jeden beschweren müssen, jede Veränderung erstmal mit Misstrauen beäugt wird und das liebste Hobby die Erstellung von Mängellisten ist. Kein Wunder, dass die Deutschen immer noch als humorlos und verklemmt gelten. Spaß haben? Dafür sind die anderen zuständig! Bei uns herrscht immer noch Zucht und Ordnung! Oder etwa nicht?



Aber was wäre das Viertel denn, ohne Spaß? Ohne den Lärm? Ohne die Kneipen? Ohne die Obdachlosen? Ohne die Dealer am Eck? Ohne die Menschen, die gerne zum Feiern in dieses Viertel kommen? Ohne die kleinen Läden, die es nur hier gibt und nicht in der Innenstadt oder in den großen Einkaufszentren? Ohne die Fußballfans die regelmäßig durchs Viertel ins Weserstadion pilgern, egal ob Werder um die Meisterschaft oder gegen den Abstieg spielt? Ohne die Erinnerungen, die man mit der einen oder anderen Kneipe verbindet? Doch nur ein weiterer langweiliger Stadtteil, der sich nicht mehr von den übrigen unterscheidet! Wo es nur noch darum geht, ob den Nachbarn die Bepflanzung des Vorgartens gefällt, auf welche Schule die Kinder gehen sollen, dass Frau Müller endlich weg muss und in welchem Bio-Supermarkt es die gesündesten Lebensmittel gibt. Ganz ehrlich: das macht keinen Spaß und kann doch auch keiner wollen! Oder vielleicht doch? Falls ja, wen dürfe ich für diese Entwicklung verklagen?

Tagesausflug | Alte Land

Urlaub zu Hause haben wir noch nie gemacht, doch da sich unser neuer Mitbewohner noch nicht alle Mitbewohnervereinbarungen hält, könnte eine mehrtägige Abwesenheit fatal enden. Unser Wohnzimmervorhang ist zum Beispiel sehr dankbar, dass wir ihn regelmäßig wieder vom Boden aufheben und an seinen ursprünglich gedachten Platz vor der Fensterscheibe anbringen. Aber ein Urlaub in den eigenen vier Wänden sollte nicht dazu genutzt werden, 24 Stunden zu Hauses zu sein und dabei aus Versehen anzufangen den Keller aufzuräumen oder die Steuererklärung zu machen Dafür sind die Urlaubstage dann doch viel zu kostbar. Wir haben die Zeit daher für den ein oder anderen Tagesausflug genutzt und unser erster Ausflug ging ganz gediegen ins "Alte Land".


Das "Alte Land" nennt man das Gebiet zwischen Stade und Buxtehude. Bekannt ist es vor allem als Anbaugebiet für Äpfel und Kirschen. Viele Apfelsorten, die man bei uns im Supermarkt kaufen kann und die als "regional" gekennzeichnet sind, kommen hier her. Ich war bisher ein einziges Mal in diesem Gebiet. Meine Überlandfahrt während der Fahrschule erfolgte in dieser Region und die vielen Obststände sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben. Beflügelt von meinen erfolgreichen Besuch im Rhododendron Park, habe ich den Stand der Apfelblüte aufmerksam verfolgt und als die Zeichen endlich auf "Vollblüte" standen, ging es los.


Wir sind über die Dörfer bis nach Jork gefahren und haben hier einen ordentlichen Fußmarsch entlang des Obstlehrpfades gemacht. Wie wir vor Ort erfahren haben gibt es wohl mehrere dieser Pfade, die allerdings professionell betrieben werden: man kauft vorher im Laden des Veranstalters für seinen Picknickkorb ein und darf dann anschließend unter einen zugewiesenen Apfelbaum picknicken. In meinen Ohren klingt das irgendwie nicht sehr verlockend und ich bin froh, dass wir einfach nur durch die Apfelplantagen gelaufen sind.







Ein großes Kompliment geht bei diesem Ausflug ganz besonders an meinen Freund, der meine Blütenbegeisterung zwar nicht unbedingt teilen konnte, aber den Dauerbetrieb meiner Kamera zumindest einigermaßen gelassen hinnahm.











Etwas versöhnen konnte ich ihn anschließend zumindest mit einem kurzen Abstecher an den Elbstrand, der bei dem schönen Wetter tatsächlich auch noch ein richtiges Urlaubsgefühl aufkommen lies.





Ich fürchte aber, das reicht nicht aus um ihn zur Apfelernte im Herbst erneut ins "Alte Land" zu locken ;-)