Sonntag, 13. Dezember 2015

Urlaub in Neuengland | Von Harvard, Hexen und Hummer


Nachdem wir Boston an einem Tag abgelaufen sind, ging es am nächsten Tag Richtung Hafen zur Autovermietung. Wir verzichten stets auf die Ausstattung mit einem Navi. Ich bin nicht gerade die schlechteste Kartenleserin und daher haben wir uns das Geld bisher immer gespart. In Boston bin ich jedoch ein wenig an meine Grenzen gestoßen: Die Straßenkarte der Autovermietung war ziemlich klein und im Reiseführer gab es lediglich eine Straßenkarte vom Stadtzentrum. Somerville hingegen tauchte nirgendwo so richtig auf und somit sind wir auch erstmal an der richtigen Ausfahrt vorbeigesaust. Etwas später als geplant waren wir dann wieder bei David, packten unser Gepäck ins Auto und dann ging es erst einmal Richtung Cambridge. Von Somerville bis nach Cambridge war es nur ein Katzensprung und so haben wir es dann doch ziemlich schnell geschafft die Harvard University zu finden.

Die Dichte an Eliteuniversitäten ist in Nordosten der USA ganz besonders hoch: Harvard, Yale und Dartmouth finden sich alleine schon in Neuengland. Harvard ist obendrein auch noch die älteste US-Universität und gerade die alten Gebäude strahlen auch schon etwas sehr Erhabenes aus. Auf dem Old Harvard Yard direkt vor der University Hall, trifft man auch auf die Statur des Namengebers John Harvard.


Wie es auch bei den Bremer Stadtmusikanten Glück bringen soll die Vorderbeine des Esels an zufassen, so soll einem auch durch das Streicheln des linken Fußes der John Harvard Statur eben jenes beschert werden. Eine gewisse Ähnlichkeit mit unserem Esel lässt sich dabei nicht leugnen:


Harvard spielte auch während des Unabhängigkeitskrieges eine wichtige Rolle. In der Hollis Hall quartierte George Washington seine Truppen ein und in der dahinter liegenden Holden Chapel wurden Reden für die Revolution gehalten. Darüber hinaus diente sie auch als Obduktionhalle für Medizinstudenten:




Auf dem Campus findet man natürlich auch die Widener Library, die drittgrößte Bibliothek der USA. Hier sucht man das Wort "Public" vergebens und deshalb darf man hier auch nur mit einem gültigen Harvard-Ausweis hinein:


Von Cambridge ging es dann weiter zu unserem nächsten Ziel nach Salem, der "Hexenhauptstadt" Amerikas. Ich habe vor etlichen Jahren den Film "Hexenjagd" im Kino gesehen. Der Film basiert auf dem Theaterstück von Arthur Miller, der die hier stattgefundenen Hexenprozesse thematisiert. Einige Figuren haben dabei auch einen realen geschichtlichen Hintergrund. Wer einen groben Überblick über die Geschehnisse erhalten will ist im Salem Witch Museum genau richtig.


Aber auch der Rest von Salem kann sich durchaus sehen lassen. Hier finden sich viele ansehnliche Stadthäuser, aber auch ein altes "Hexenhaus".





Um die 20 Personen wurden im Laufe der Hexenprozesse gehängt oder zu Tode gefoltert. Neben dem alten Friedhof erinnern noch heute die Gedanktafeln an die Verstorbenen.




Salem hat aber nicht nur eine Hexenvergangenheit auch wenn dies hier überall sehr präsent ist und natürlich auch die Touristen hierher treibt. Salem war auch eine Handelsstadt sowie die Geburtsstadt des Schriftstellers Nathaniel Hawthorne, der Autor der Bücher "Der scharlachrote Buchstabe" und "Das Haus mit den sieben Giebeln". Die Inspiration zu letzterem findet sich auch heute noch in Salem. Das Haus kann auch besichtigt werden, wovon wir allerdings Abstand genommen haben. Uns hat der Anblick völlig gereicht. Allerdings war es absolut unmöglich das Haus mit allen Giebeln gleichzeitig vor die Linse zu bekommen.








Am nächsten Tag ging es weiter die Küste entlang bis nach Portland, Maine. Unterwegs haben wir aber erst noch einen Abstecher zum North Shore gemacht. Unser erstes Ziel hieß Gloucester, dass der ein oder andere vielleicht aus dem Film "Der Sturm" kennt. Der Film handelt von der Crew der "Andrea Gail" die bei ihrer letzten Ausfahrt in einen Jahrhundertsturm geraten ist, der letztendlich das Leben der kompletten Besatzung forderte.

Der Weg nach Gloucester führte über eine wunderschöne Küstenstraße. Hierbei ist uns etwas passiert, dass uns diesen Urlaub häufiger ereilt hat: nach einem kurzen Stopp direkt am Wasser sind wir nur 100 m später an diesem Kerl hier vorbei gefahren:


Da ich aus dem Reiseführer das Denkmal durchaus kannte, war mir sofort klar: wir sind bereits am Ziel! Die Wegstrecken waren in diesem Urlaub so kurz wie nie zuvor und wir mussten in der Tat sehr aufpassen, dass wir nicht an unseren Zielen vorbeisausen.






Gloucester hat sich uns bei wieder einmal strahlendem Sonnenschein präsentiert und war wirklich ein ganz zauberhaftes Städtchen. Es wäre für uns jedoch ein wenig überflüssig gewesen hier länger zu bleiben, denn von hier aus kann man bis auf Whale watching eigentlich nichts großartiges anstellen, und das hatten wir schon von Beginn an von unserer To-do-Liste gestrichen. Unsere letzte Whale watching Tour im St. Lawrence River war so erfolgreich, dass alle weiteren wahrscheinlich nur enttäuschend wären. Da wir aber genug Zeit hatten, haben wir uns für den kleinen Umweg über die landschaftlich sehr reizvolle Spitze der North Shore entschieden, bevor wir unser heutiges Etappenziel Portland, Maine, erreichten.




Von der North Shore ging es weiter Richtung Ipswich, wo wir uns das teuerste Fast Food im beliebtesten Seafood take-out weit und breit gönnten: Ein Loobster-Roll Sandwich:


Dafür haben wir nicht nur eine halbe Stunde in der endlos langen Schlange gestanden, sondern auch noch saftige 20 $ pro Sandwich bezahlt. Aber ganz ehrlich? Das war es wert!

Auf der weiteren Strecke haben wir unsere eigentliche Route, den Highway 1, verlassen und sind wieder mehr Richtung Küste gefahren.Salibury Beach machte von den Häuser an der Hauptstraße eher einen etwas herruntergekommenen Eindruck, aber beim Blick über den kleinen Deich tauchte ein wunderschöner Sandstrand auf, der glatt zum Baden einlud.



Im gesamten Küstenverlauf südlich von Portland gibt es relativ viele Sandstrände, so wie z.B. auch der als schönster Strand bezeichtete Strand von Ogunqiut. Mir persönlich hat er nicht so gut gefallen, aber die zahlreichen Touristen sehen das sicherlich anders.




Abends kamen wir dann endlich in Portland an, das doch insgesamt größer war, als wir dachten. Unser vorgebuchtes Motel haben wir daher auch nicht auf Anhieb gefunden. Da das Motel auch ziemlich außerhalb der Stadt lag, haben wir auf eine Besichtigung  von Portland verzichtet.Das wir uns daher nicht den Leuchturm angesehen haben, ist zwar im Nachhinein ein wenig schade, aber durchaus zu verschmerzen. Für den nächsten Tag war ja immerhin ein Abstecher zum Pemaquid Point Light geplant und der hat sich definitiv gelohnt.

Samstag, 17. Oktober 2015

Urlaub in Neuengland | Boston


Endlich war es mal wieder soweit, der langersehnte Urlaub stand mal wieder vor der Tür. Unser Ziel lautete dieses Jahr Boston sowie die umliegenden Staaten von Neuengland. Anfangs hatten wir den Plan im Hinterkopf eventuell auch noch nach Kanada rüber zu fahren, aber bei nur 15 Tagen vor Ort wäre dies dann doch etwas zu ambitioniert gewesen. Und wenn wir uns schon im Herbst in dieser Gegend aufhalten, dann sollte ein wenig Indian Summer doch schon auf dem Programm stehen, und dieser ist für gewöhnlich zuallererst in Teilen New Hampshires und Vermonts zu sehen bevor er sich über die restlichen Neuenglandstaaten und dann weiter Richtung Süden ausbreitet. Verantwortlich für das einmalige Farbenspektakel ist in erster Linie der Zuckerahorn, den es bei uns ja so nicht gibt. Dieser verfärbt sich von grün zu gelb, orange und letztendlich zu einem kräftigen rot, bevor auch er dann das nicht mehr so schöne braun zeigt. Der Amerikaner benutzt den Begriff "Indian Summer" übrigens nicht. Vielmehr nennt man dort das Verfärben der Blätter schlicht und einfach "Foliage".

Unser Road Trip startete und endete jeweils in Boston. Als wir uns im Vorfeld nach einer passenden Unterkunft umgesehen haben, konnte ich es echt nicht glauben: Boston ist wahnsinnig teuer! Selbst die einfachsten Unterkünfte am Stadtrand sind nicht unter 100 €/Übernachtung zu bekommen. Die meisten fangen überhaupt erst bei 150 € an und nach oben gibt es eh keine Grenzen! Wir haben uns daher ganz schnell dazu entschieden in diesem Urlaub erstmals Airbnb auszuprobieren. Einige Freunde von uns hatten hiermit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht und auch wir sind mittlerweile große Fans geworden!  Viele Unterkünfte sind doch um einiges billiger als die gängigen Hotels und auch der Komfort kann sich bei einer Privatunterkunft durchaus sehen lassen.

Für unseren Aufenthalt in Boston haben wir uns eine Unterkunft in Somerville gesucht. Die Nachbarschaft wurde von vorherigen Gästen als sehr gut bewertet und Boston war mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch einfach zu erreichen. Die Fahrt vom Flughafen war auch schnell erledigt und so kamen wir am Sonntag Abend pünktlich und müde bei David an. Wir hatten dort zwei Zimmer ganz für uns (Schlaf- und Wohnzimmer). Küche und Badezimmer standen zu unserer freien Verfügung. Es war anfangs schon ein wenig seltsam, einfach so durch die private Wohnung unseres Gastgebers zu laufen, aber bei den insgesamt 6 Airbnb-Unterkünften, die wir während unseres ganzen Aufenthaltes kennenlernen durften, haben wir uns doch daran gewöhnt dass wir hier halt bei sehr netten und gastfreundlichen Menschen gelandet sind.

Für Boston hatten wir lediglich nur einen vollen Tag eingeplant. Das mag dem ein oder anderen vielleicht ein wenig kurz vorkommen, aber wir sind im Laufe der Jahre zu echten "Speed"-Touristen geworden. Außerdem habe ich nicht den Ehrgeiz, mir absolut jede Sehenswürdigkeit ansehen zu müssen. Ich schlendere lieber auch mal einfach durch die Straßen und lasse die Stadt auf mich wirken. Boston hat uns dabei wirklich gut gefallen. Wir hatten zudem noch das große Glück, dass sich die Stadt im strahlenden Sonnenschein vor uns präsentierte.


Ich glaube, ich habe irgendwann schon einmal erwähnt, dass wir große Serienjunkies sind. Mit diesem Hintergrundwissen überrascht es sicherlich nicht, dass wir daher die Außendrehorte unserer Lieblingsserien abgelaufen sind. Angefangen bei der Anwaltskanzlei von "Ally McBeal", dann ein kurzer Zwischenstopp im "Cheers" inklusive Bierpause und abschließendem Besuch der Anwaltskanzlei von Crane, Poole und Schmidt aus der Serie "Boston Legal".


Doch Boston hat uns nicht nur wegen der vermeintlichen Fernsehkulissen so gut gefallen. Natürlich gibt es hier wie in jeder amerikanischen Großstadt die typischen Wolkenkratzer, aber die kann man in Boston fast an einer Hand abzählen. Die meisten Häuser haben durchschnittlich 4 Stockwerke und selbst in den Hauptstraßen gibt es immer wieder kleine Vorgärten. Die Stadt wirkt dadurch unglaublich grün und fast schon ein wenig dörflich. Doch Boston ist keine verschlafene Provinz, ganz im Gegenteil. In dieser Stadt wurde amerikanische Geschichte geschrieben. Dieser kann man in Boston auch ganz leicht auf die Spur kommen: man muss einfach nur der roten Markierung des Freedom Trail folgen.







Wir sind den Trail nur in Teilabschnitten abgelaufen, da der ganze Weg wohl doch einige Zeit in Anspruch genommen hätte. Außerdem will  man sich ja auch nicht gleich am 1. Urlaubstag völlig verausgaben ;-) Statt dessen haben wir etwas getan, was wir für gewöhnlich nie tun: wir haben eine Kirche betreten und zwar die wirklich schöne Trinity Church. Das eigentliche Highlight befand sich aber unserer Meinung nach im "Gift Shop" der Kirche: dort gab es "Last Supper"-Schokolade, "Judgment Day"-BBQ Sauce,  "Holy Smokes"-Firestarters, "Sticky Notes" als Gebote und "Holy Chocolate"-Trinkschokolade bei der "every sip is blessed" ist. Wirklich schön, wenn sich eine Kirche auch einmal nicht ganz so ernst nimmt.





Auch der "Public Library" haben wir einen Besuch abgestattet. Überhaupt ist es uns während dieses Urlaubs extrem aufgefallen, dass - egal wie klein eine Stadt dort auch sein mag - es immer zwei Gebäude gibt, die stets zu finden sind: die Kirche und die öffentliche Bibliothek. Die in Boston ist selbstverständlich größer, als alle anderen und sie ist obendrein auch noch besonders schön.






Boston ist wirklich eine schöne Stadt und um das zu unterstreichen, lasse ich nun zum Abschluss einfach nochmal ein paar Bilder sprechen. Wer sich also im Nordosten der USA aufhält, sollte sich Boston auf keinen Fall entgehen lassen.